WENIGER IST MEHR.
TEIL 5/5 mit Gerhard G. Feldmeyer
In unserer aktuellen fünfteiligen KAP-Newsletterfolge widmen wir uns dem Suffizienzgedanken in Architektur, Stadt- und Landschaftsbau – der Idee, mit weniger Fläche, Material und Technik mehr Lebensqualität zu schaffen. Wir wollen zeigen, warum kluges Reduzieren kein Verzicht ist, sondern der Schlüssel zu nachhaltigem, sozialem und zukunftsfähigem Bauen.
Es kommen Köpfe aus ganz unterschiedlichen Bereichen zu Wort – aus Architektur, Stadt- und Landschaftsplanung, Wirtschaft und Wissenschaft. Ihre Perspektiven zeichnen gemeinsam ein vielschichtiges Bild davon, was Suffizienz heute bedeutet und wie »Weniger ist mehr« konkret werden kann.
Und: »Suffizienz ist keine Romantisierung der Bescheidenheit. Sie ist die realistischste Antwort auf eine Krise, die wir uns selbst gebaut haben – wörtlich. Das Zuhause der Zukunft hat vier Koordinaten: bezahlbar, ökologisch, gemeinschaftlich, ästhetisch. Es braucht neue Narrative und mutiges Handeln. Wir müssen aufhören zu labern – und anpacken!«, so Nathanael Over in seinem Beitrag für's KAP-Forum.
Unser Engagement gilt der Zukunft des Bauens!
Das Redaktionsteam
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Das Redaktionsteam
Gerhard G. Feldmeyer, Architekt, Climate Responsible Strategies, Botschafter Madaster Foundation Andreas Grosz, Initiator und Leiter KAP Forum für Architektur & Stadtentwicklung Tobias Groß, Partner+Gestalter KAP Forum, Gründer und Leiter Studio für Gestaltung, Köln
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Die Autor:innen:
Andreas Kipar | Stefanie Weidner | Lucio Blandini | Christa Reicher | Lorenz Nagel | Karin Loosen | Nathanael Over | Timm Sassen | Sebastian Nödl | Jutta Albus | Tobias Wiesenkämper | Stefan Forster | Andreas Mendler | Frank Christian Hinrichs | Gerhard Feldmeyer | Verena Brehm | Gerhard Lüdtke | Hilmar v. Lojewski
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Gerhard G. Feldmeyer Architekt, Climate Responsible Strategies, Botschafter Madaster Foundation Foto: © Gerhard G. Feldmeyer
Von der Suffizienz zur Opulenz und zurück Das Thyssenhaus: Ikone der Nachkriegsmoderne
Als ich zu Jahresbeginn meine überquellenden Bücherregale etwas entrümpeln wollte, hielt ich plötzlich einen Werkbericht aus 1962 vom Thyssenhaus zu Düsseldorf in Händen – ohne zu übertreiben: Die Ikone der Nachkriegsmoderne in Deutschland. Herausgeber: das Institut für Bauplanung und Bautechnik, Martin Mittag. Neugierig geworden, begann ich zu blättern. Erläuternde Texte zu fast allen heute gleichermaßen relevanten Themen, zahlreiche Tabellen, eine Vielzahl von Detailzeichnungen und herrliche Schwarz-Weiß-Fotos. Ich begann zu lesen.
Leichtigkeit als konzeptionelles Prinzip
In den einleitenden Gedanken zur Planung und Gestaltung geht es immer wieder um Leichtigkeit, und zwar sowohl in gestalterischer als auch in physikalischer Hinsicht. Die drei horizontal und vertikal gegeneinander versetzten schmalen Scheiben scheinen über dem Hofgarten zu schweben. Alle Lasten werden direkt abgetragen. Materialintensive und kostspielige Lastumlenkungen werden vermieden. Der typologisch klare, regelhafte Grundriss führt wie von selbst zu wirtschaftlichen Spannweiten und lässt sich nahezu vollständig aus seriellen Bauteilen konstruieren. All diese Eigenschaften gehen nicht zu Lasten der Ästhetik – ganz im Gegenteil!
Innenliegende Räume – Fehlanzeige. Alle Büroflächen mussten den Anforderungen ständiger Arbeitsplätze genügen – also Versorgung mit Tageslicht und Außenbezug.
Auch damals, vor 70 Jahren, wurde schon leidenschaftlich über »Open Space« als erstrebenswertes Bürokonzept diskutiert. Folgerichtig fiel die Entscheidung auch für einen Skelettbau – zu dieser Zeit noch ein Novum. Die Tatsache, dass die Entscheidung für einen Stahlskelettbau fiel, hatte allerdings maßgeblich mit dem Bauherrn Thyssen zu tun. Der in Deutschland führende Stahlproduzent wollte natürlich ein Showcase, das aus seinen Produkten hergestellt ist.
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Thyssenhaus 1960, Foto: ©Walter Mogg
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