Dienstag, 27.06.2017, 19 Uhr
Stadt & Improvisation

Referent

Prof. Dr. habil. Christopher Dell
Musiker & Improvisationstheoretiker, Prof. für Urban Design an der HCU Hafen City University, Hamburg

Moderation

Prof. Andreas Denk
Fakultät für Architektur, TH Köln; Chefredakteur Der Architekt, Zeitschrift des BDA

Einführung:

Andreas Groß
Leiter KAP Forum

Datum

Dienstag, 27. Juni 2017
19:00 Uhr

Ort

Schauspiel Köln
Außenspielstätte Offenbachplatz
Köln-Innenstadt

Anmeldung


Einfall und Inspiration lassen in der Musik neue Welten aus Tönen und Klang entstehen, die scheinbar zufällig, aber doch intuitiv zu einem überraschenden Ganzen zusammenführen. Dass diese Improvisationen auch auf die Architektur übertragen werden können, zeigt Christopher Dell als einen der “größten Vibraphontechniker der europäischen Jazzgeschichte” (FAZ) mit seinem Instrument und im Dialog im KAP Forum.

„The city is a pattern of activities“, so bringen das Architektenpaar Denise Scott Brown und Robert Venturi Wesen und Funktion von Stadt auf den Punkt. Auch Le Corbusiers Idee, die Stadt sei ein Werkzeug zur Arbeit, gilt bis heute. Nur hat sich die Arbeit grundlegend verändert. Wohnen, Arbeiten und Leben, einst in Funktionen getrennt, verbinden sich in unterschiedlichsten Handlungsformen und prägen ein neues Bild von Stadt. Glaubten vergangene Epochen noch, was Stadt ist, so verfügen wir heute, auch angesichts der globalen Veränderungsprozesse, nicht mehr über diese Sicherheit. Stadt lässt sich längst nicht mehr von oben oder zentral planen. Wir alle sind die Stadt und gestalten sie durch unseren Lebensalltag mit. Für die Planung stellt sich die Frage, wie sich das städtischen Leben heute organisiert und wie mit den Unbestimmtheiten und Unwägbarkeiten gesellschaftlicher Entwicklungen umzugehen ist.

Vor diesem Hintergrund zieht der Architekturtheoretiker, Komponist und Musiker Christopher Dell eine radikale Konsequenz: den Begriff der Improvisation neu zu denken. Nicht als Notlösung, sondern als Gestaltungsmöglichkeit von Veränderungsprozessen im urbanen Raum. Dell „spielt“ mit einem musikalischen Verständnis, das den Raum als alltäglich co-produziert begreift. Daraus entfaltet er eine Technologie der Improvisation als urbane Praxis im 21. Jahrhundert.

Unser Gast:
Prof. Dr. habil. Christopher Dell, Musiker & Improvisationstheoretiker, Prof. für Urban Design an der HCU Hafen City University, Hamburg

Christopher Dell (Prof. Dr. phil. habil.) lehrt als Professor für Theorie am Lehrstuhl Urban Design der HafenCity Universität Hamburg. Eine Professur in dem Fach nahm er auch an der TU München war. Dell ist zudem Leiter des ifit, Institut für Improvisationstechnologie, Berlin. Im internationalen Kontext lehrte u.a. an der  Architectural Association, London, der University of the Witwatersrand Johannesburg, der Columbia University New York und der Academie for Bouwkunst, Arnhem. Sein Interesse gilt Praxen und Organisationsverläufen der zeitgenössischen Stadt. In disziplinübergreifenden Arbeitskonstellationen sucht Dell relationale Handlungsformen als Verfahren zu konzeptionalisieren und für Forschung und Gestaltung fruchtbar zu machen. Monographien: “Prinzip Improvisation“, Köln 2002, „Improvisations on Urbanity“ Rotterdam 2009, „Tacit Urbanism“, Rotterdam 2009, „Replaycity“, Berlin 2011 und „Die improvisierende Organisation“, Bielefeld 2012, „Ware:Wohnen!“, Berlin 2013 und „Das Urbane“, Berlin 2014, „Epistemologie der Stadt“ Bielefeld 2016,  „Stadt als offene Partitur“ Zürich 2016.

Dell gilt laut Reclam Jazzlexikon als der führende Vibraphonist Europas, die FAZ nannte ihn den “größten Vibraphontechniker der europäischen Jazzgeschichte.” Dell ist und war beteiligt an zahlreichen CD-Veröffentlichungen und Tourneen, u.a. in Kanada, China, U.S.A., Japan, Indien, Afrika, Südamerika. Seine Arbeit wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, wie z.B. dem Downbeat Allstar Award, Preis der Deutschen Schallplattenkritik, dem JazzArt-Award – Musik des 21.Jahrhunderts, Grammy Nominierung und Musikpreis der Stadt Darmstadt.