Massanzug für den Gast

Mit moderner Steuerungstechnologie gestaltet der Reisende sein Zimmer selbst.

Massanzug für den Gast

von Marco Siebertz

„Willkommen im Hotel Royal Plaza in Mumbai“ – begrüßt mich bei Betreten meines Zimmers eine sanfte Stimme – „bitte berühren Sie den Touchscreen.“ Überrascht von diesem freundlichen Empfang fällt mein Blick auf den Bildschirm am Eingang. Ich berühre das Display, sofort erscheint ein Foto meines Hotelzimmers. Mit einem Tippen des Fingers kann ich die Stereoanlage bedienen, die Jalousien steuern – selbst die Raumtemperatur lässt sich von hier aus regeln. Über Wahltasten lassen sich voreingestellte Raumsituationen abrufen. „Nach dem heutigen Meeting-Marathon ist das Erste, was du jetzt brauchst, ein bisschen Ruhe“, sage ich mir. Zum Glück muss ich nicht lange suchen: Fast intuitiv berührt mein Zeigefinger das Feld „Entspannung“ – sofort beginnt die Beleuchtung den Raum in ein sanftes Rot zu tauchen, die Jalousien fahren herunter und die Heizung hüllt den Raum in angenehme Wärme. Ich lasse mich auf mein Bett fallen und freue mich auf eine kleine Erholungspause vom anstrengenden Messetag ...

Was für die meisten Menschen nach purer Zukunftsmusik klingt, ist – dank des „InfoTerminal Touch“ des Gebäudetechnik-Herstellers Gira – längst möglich. Aber erst wenige Hotels setzen schon auf derartige technische Finessen. „Bei der Planung neuer Hotels wird häufig vom Einsatz moderner Steuerungselektronik abgesehen. Da ist außer dem Dimmer noch sehr viel mehr gute Funktionalität möglich,“ weiß Knut Fliege, Leiter Key-Account-Management bei Gira. „Die Hotelbetreiber sind oft zögerlich. Sie scheinen noch unsicher, wie ihre Kundschaft auf moderne Technologien reagiert.“

Gewiss gibt es noch Menschen, die digitale Schnittstellen ablehnen. Für Geschäftsreisende, die ihr Hotelzimmer als zeitweiliges Zuhause und als mobiles Büro nutzen, ist der Umgang mit modernen Technologien dagegen längst zum Alltag geworden. Die Vorteile der digitalen Helfer werden geschätzt – wie die Verbreitung von Laptop, Mobiltelefon und PDA beweist. Jüngere Generationen lernen den Umgang mit Informationstechnologie ohnehin von der Wiege auf und kennen keine Kontaktschwierigkeiten. Warum also auf digitale Technologie verzichten?

Moderne Raumsteuerungen lassen sich inzwischen weitaus einfacher bedienen als ein Handy: kein Kampf mehr gegen komplexe Menüstrukturen mit unzähligen Untermenüs. Benutzerfreundlichkeit steht im Vordergrund: Die Bedienung moderner Steuerungsanlagen erfolgt durch einfaches Berühren des Bildschirms (Touchscreen) und erschließt sich auch unerfahrenen Benutzern intuitiv und schnell. Statt mit Drück- und Dreh-Rädern durch virtuelle Labyrinthe zu irren, um das richtige Unter-Untermenü für eine warme Dinner-Beleuchtung zu finden, reicht es, das Profil „Abendessen“ anzuwählen: Sofort sorgt die elektronische Steuerung für die gewünschte Stimmung. Solche Profile können bereits bei der Installation vom Handwerker oder Techniker voreingestellt werden. Die Grundbedienung wird zum Kinderspiel.


Info- und Smart-Terminal von GIRA

Die moderne Elektroinstallation von Gira bietet ein breites Spektrum an intelligenter Gebäudetechnik für Komfort und Sicherheit. Geräte für die Vernetzung der Haustechnik, Musiksteuerung für alle Räume, umfassende Schalterprogramme, dazu zahlreiche Funktionen der Türkommunikation, Energie und Licht im Außenbereich – alles passt zusammen. Sämtliche Funktionen und Geräte lassen sich einfach kombinieren, und durchgängige Designlinien bieten dafür stets den richtigen Rahmen.


Doch zurück in die Zukunft: Auch 2015 bin ich, wie jedes Jahr zur Messe, wieder Gast des Royal Plaza in Mumbai. „Wirklich fantastisch, was sich in denletzten Jahren in Sachen Hoteldesign getan hat“, denke ich mir, als ich mein Zimmer betrete. Alles ist noch komfortabler geworden, die Zahl der Möglichkeiten, den Raum nach meinen Wünschen zu gestalten, ist weiter gewachsen. Der digitale Bilderrahmen an der Wand zeigt ein Bild meiner Frau und meiner Kinder, aus den Lautsprechern tönt einer meiner Lieblingssongs: „Eleanor Rigby“ aus meiner geliebten Beatles-Sammlung. Als ob das nicht genügte, steht mir auch noch per Knopfdruck meine gesamte Videokollektion zur Verfügung. Der Dufterzeuger verleiht dem Raum einen wohligen Geruch – er erinnert mich an unseren letzten Urlaub: ein Lavendelfeld in der Provence. Mein Magen knurrt – ich rufe in der Steuerung den Punkt „Essen & Trinken“ auf. Das Display gibt mir eine Auswahl an Restaurants in der Stadt und fragt, ob ich die Namen zusammen mit einem Stadtplan auf mein Handy oder den PDA geladen haben möchte. Nein – heute bloß nicht mehr das Hotel verlassen! Ich entscheide mich für den Zimmerservice. Der Bildschirm listet eine Auswahl meiner Lieblingsspeisen auf. Ich entscheide mich für eine Ratatouille mit frischem Baguette, dazu ein Glas Rotwein.

Eine Zukunftsvision? Nicht mehr lange. Der unsichtbare Butler könnte schon bald zum Standard gehören. Gerade Vielreisende werden von solchen Hilfen profitieren: „My room is my castle“ – so eröffnet sich sprichwörtlich die Möglichkeit, ein Stück vertraute Umgebung auf die Reise mitzunehmen. Wie heute digitale Adressbücher oder Kalender auf PDA und Laptop gespeichert werden können, werden sich in Zukunft ganze räumliche Situationen synchronisieren lassen: Im Hotelzimmer kann der Gast dann das Raumgefühl des heimischen Wohnzimmers abrufen und einspeichern. Aber auch Urlauber können – ob in der Provence oder auf den Seychellen – die exotische Umgebung mithilfe der intelligenten Raumsteuerung unterstreichen und ihr temporäres Zuhause nach individuellen Wünschen gestalten: sei es die Temperatur der Klimaanlage, die kombinierte Licht- und Duftinszenierung oder einfach nur die dem europäischen Standardsystem EIB/KNX (Europäischer Installationsbus des Konnex-Verbands) und bieten heutigen wie zukünftigen Raumanwendungen eine Schnittstelle von der digitalen in die reale, räumliche Welt. „Schon heute können Sie Ihre Beleuchtung, die Heizung, die Jalousie, die Sauna und sogar die Stereoanlage bequem über das Internet bedienen oder überwachen. Wir selbst steuern die Gebäudetechnik eines kompletten Produktionsstandortes über ein solches Netzwerk …“, verrät Knut Fliege.

Müssen nur noch Hotelplaner und -betreiber die Vorteile der neuen Technologie erkennen. Ohnehin fragt sich, wie lange diese ihre Gäste noch mit einem „Hotel-TV“ quälen wollen, dessen Design und Benutzerfreundlichkeit an die längst vergessenen Zeiten von Bildschirm- und Teletext erinnern. Ein Touchscreen lässt sich weitaus komfortabler bedienen und bietet zudem Vorteile in der Nachhaltigkeit. Denn zur Modernisierung muss nicht gleich der ganze Bildschirm ausgetauscht werden – eine neue Software lässt sich ohne aufwendige Maßnahmen im Zimmer einfach über das Netzwerk installieren.

Knut Fliege sieht der Zukunft gelassen entgegen: „Den altbewährten Lichtschalter wird es wohl auch in Zukunft geben. Wem ein Touchscreen zu umständlich scheint, der schaltet das Licht eben wie gehabt über den Schalter ein. Zwischen Lichtschalter und Terminal gibt es aber noch eine Menge anderer interessanter Produkte von Gira, mit denen wir unseren Kunden moderne Technologie schmackhaft machen können: sei es mit einem Dimmer, der auf leichteste Berührungen reagiert, einem elektronischen Bitte-nicht-stören-Schild oder der Zugangskontrolle per Fingerabdruck.“


Marco Siebertz ist freier Design-Fachjournalist und Chefredakteur des jungen Designmagazins Roger. Außerdem arbeitet er als Art Director im Bereich Corporate Publishing für die Deutsche Welle.


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