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Für den Empfang rollen Hotels nicht nur den roten Teppich aus.

von Inken Herzig
Überfluss Hotel / Bremen
Die gläserne Doppeltür des „Überfluss Hotel“ in Bremen öffnet sich. „Schön, dass Sie da sind“, lächelt der Chef de Réception einer Dame entgegen. Sie blickt sich überrascht um: Ein barocker Lacktisch, intimes Licht, silberne Leuchten — der Empfang wirkt wie ein Privatissimo. Die Concrete Architectural Associates aus Amsterdam wollte Empfang nicht als karges Austeilen der Zimmerschlüssel verstehen. In Bremen wird man Willkommen geheißen, als sei man bei Freunden zu Gast. Großer Auftritt für den ersten Eindruck – er sagt eben mehr über die Kultur eines Hotels als schlichte Bilanzen.

Hotel Q / Berlin
Empfang, also Begrüßungen, zu inszenieren ist immer eine Gratwanderung. Vollkommene Freiheit und schrankenlose Offenheit verunsichern beim Ankommen. In Situationen, in denen der Besucher nicht weiß, woran er ist, entsteht Stress. Die Kunst besteht darin, zwischen Offenheit und Reglement den richtigen Mittelweg zu finden. So inszenierten auch die Graft-Architekten das „Hotel Q“ in Berlin. Der Empfang ist hier in warmes Rot getaucht und öffnet sich wie ein Mund. Architektur als sprachlicher Willkommensgruß.

Nordic Light Hotel / Stockholm
George Clooney als Portier? Das ist Fiktion, na klar. Unrealistisch ist sie deshalb nicht. Auch wenn der Erfolgsmime den weiten Weg von Kalifornien nicht einmal antreten müsste. Denn ein Hologramm täte die gleiche Wirkung. Wo? Am besten im Nordic Light Hotel in Stockholm. Zukunftsgeschwätz? „Durchaus nicht“, sagt Zukunftsforscher Klaus Burmeister. „Sich mittels 3-D-Holographien eine Empfangsperson nach Wunsch zurechtzuschneidern ist möglich.“ Im Nordic Light wäre es denkbar. Schon jetzt wird das Stadthotel von bunten Projektionen illuminiert wie eine Laterna Magica. Von außen wechseln die Lichter des Empfangs in allen Spektralfarben. Zu bunt? Nein, klar wie Fräulein Smillas Gespür für Schnee, entworfen von Rolf Löfvenberg, Lars Pihl und Jan Söder.

The Pure Hotel / Frankfurt
„Empfang hat etwas mit Ritualen zu tun, mit der Kultur des Hauses und entscheidet über die künftige Kommunikation zwischen Gast und Gastgeber,“ sagt Klaus Burmeister, Gründer der Z_punkt The Foresight Company. Ganz besonders interessieren den Futurologen Situationen, in denen Menschen empfangen werden. Er weiß: Mit Begrüßungsritualen, wie sie noch vor zwei Jahrzehnten gang und gäbe waren, ist heutzutage kein Kunde zu gewinnen. Die Gäste sind sensibler geworden. „Jeder Empfang muss etwas Privates widerspiegeln. Statt eines bellenden ‚Wohin möchten Sie bitte?‘ hören wir lieber: ‚Sie werden schon erwartet!‘ Zum Beispiel im „The Pure Hotel“ in Frankfurt. Die Umgebung ist klar wie ein iPod, aber der Empfang wird persönlich und zuvorkommend zelebriert. Konzept und Umsetzung von Scharnberger Architekten, Oana Rosen.

Abbildungen aus dem Buch Lobby Design, daab Verlag, VK 24,95 Euro, www.daab-online.de
