Kreatives Zukunftslabor

Das KAP Forum als kreatives Chamäleon

Andreas Grosz

dazu Andreas Grosz

Im KAP Forum werden die Fragen von morgen schon heute diskutiert. Vor drei Jahren wurde die Architektur-, Design- und Technologie-Plattform im Rheinauhafen gegründet. Ein kreatives Chamäleon. Wie es sich entwickelt, erläutert KAP-Forum-Manager Andreas Grosz.

Bitte beschreiben Sie das KAP Forum in zwei Sätzen.

Andreas Grosz: Das KAP Forum ist eine Art hybrides Kommunikationsmodell. Es wird angetrieben durch das Interesse und die Notwendigkeit an interdisziplinärem Austausch zwischen architektur-, design- sowie technologiegetriebenen Unternehmen, allesamt Marken- und Qualitätsführer mit hohem internationalen Engagement.

Im Forum agieren neun Firmen unter einem Dach ohne Konkurrenzdenken und Angst vor Werksspionage. Ein bisher einmaliges Modell in Europa was ist das tragende Element?


Planer und Projektentwickler suchen ständig nach neuen Lösungen in der Architektur. Das KAP Forum ist inzwischen ein bergreifendes Qualitäts-Netzwerk, das für diese Fragen die maßgeschneiderten Antworten findet ob im Hotel- oder Bürobereich oder im privaten Umfeld. Das ist das Neue: Bisher agierten Unternehmen bei weltweiten Bau-Projekten häufig Schulter an Schulter, arbeiteten in der Praxis jedoch nicht zusammen. Heute suchen und entwickeln sie gemeinsam individuelle Lösungen. Das KAP Forum ist ein Labor für neue Wege des Planens und Bauens. Hier werden auf Topniveau nahezu alle Bereiche der Innenarchitektur thematisiert: Licht (Zumtobel) und Schatten (Silent Gliss), Boden (Carpet Concept) und Textil (Kvadrat), Wasser, Bad und Küche (Alape, Dornbracht), Hauselektronik (Gira) und Bauforschung (BASF) sowie Konferenz und Bürowelten (Wilkhahn).

Inzwischen ist das KAP Forum weit über Kölns Grenzen hinaus bekannt.

Das ist das Faszinierende daran: Es bietet eine Fläche für die unterschiedlichsten Foren und Formen der Kommunikation. Insofern ist das KAP Forum Hybrid und Chamäleon zugleich, es verwandelt sich ständig für neue Formate. Hier finden jährlich rund 500 Veranstaltungen statt: vom internen Vertriebsmeeting über gemeinsame Strategierunden und Produktpräsentationen bis hin zu zukunftsorientierten Reihen zu Architektur-, Städtebau- und Designthemen.

Ein Angebot nur für Spezialisten?

Nicht nur, ein Teil des Programms richtet sich auch an die architektur- und designinteressierte Öffentlichkeit. Ich denke an die Diskussionsveranstaltungen mit Architekten wie Daniel Libeskind, Meinhard von Gerkan, Gunter Henn, Arno Lederer, Jan Störmer, Eckhard Gerber, Georg Gewers oder die größte Ausstellung zum Thema Convertible City, dem deutschen Beitrag zur Architektur-Biennale Venedig mit dem Berliner Architektenduo Grüntuch/Ernst, die mehr als 4.000 Besucher erreichte. Das waren ebenso Magneten wie die Ausstellung zu Delugan Meissl aus Wien (die derzeit das Porsche-Museum bauen), die zuletzt im KAP Forum größten Anklang fand.

Das müsste auch der Stadt Köln gefallen?


Allerdings. Deswegen freue ich mich besonders darüber, gemeinsam mit der Stadt Köln und dem Kölner Stadt-Anzeiger ein Forum zur Zukunft der Europäischen Stadt auf den Weg gebracht zu haben. Inzwischen haben neun Städte darunter Barcelona, Rotterdam, Lille, Wien, Liverpool und London ihre Zukunftsideen und Pläne vorgestellt. Solche Projekte sind nur durch die Partnergemeinschaft des KAP Forums machbar.

Andere Perspektiven?


Neben den großen Publikumsthemen gibt es auch eine Reihe von Zukunfts- und Interessenthemen, die die Partner verbinden. Living at work war so etwas. Das haben wir während der Orgatec bearbeitet, der weltweit größten Büromöbelmesse. Dort wurden die Materialien und Produkte der Partner in Lebenswelten zwischen Arbeiten und Wohnen durchgespielt. Neu ist das Thema, wie sich das Hotel zukünftig entwickeln wird auch dies eine Aufgabe, die wir an alle Partner weitergegeben haben. Das vorliegende Magazin reflektiert den Stand der aktuellen Diskussion. So entwickelt das KAP Forum immer wieder Antworten auf neue Zukunftsfragen für Architekten, Bauherren und Investoren.

Wie sehen Sie das Hotelzimmer der Zukunft?


In einer nomadisch orientierten Gesellschaft wird das Hotelzimmer immer mehr zur temporären Heimat es muss mehr sein als eine Unterkunft.

Ein bisschen genauer?


Es muss ein Ort der Begegnung und des Wohlfühlens sein. Ein Ort, an dem ich mich entspannen und wieder aufladen kann eine Batterie, Heimat auf Zeit.

Wäre das KAP Forum im übertragenen Sinn auch eine Art Hotel?


Ja, auch das KAP Forum soll das Wohlbefinden und neues Denken anregen. Den Gedanken, sich dort für einen Zeitraum ganz aufzuhalten, also dort projektorientiert zu arbeiten und zu wohnen, finde ich faszinierend.

Ihre Pläne für 2008?


Nach drei Jahren KAP Forum stellt das KAP Magazin eine neue Qualität in der Kommunikation nach innen und außen dar. Wir sehen darin die Chance, zu thematischen Schwerpunkten Position zu beziehen und so die Idee des KAP Forum weiterzutragen und voranzubringen.

Das heißt für das nächste Heft?


Das zweite KAP Magazin wird zur Orgatec 2008 erscheinen und sich mit neuen Formen der Bürowelt auseinandersetzen. Living at work ist ein Motto, das uns intensiv beschäftigen wird. Es ist spannend zu sehen, wie sich Arbeit im Spannungsfeld von Globalisierung, neuer Technologien und lokaler Verankerung entwickelt. Die Frage ist: Was bedeutet in Zukunft noch Verortung? Wie könnte in Zukunft ein Arbeitsplatz aussehen?

Auch Hotels sind Schnittstellen der Innovation und Entwicklung. Hotelzimmer als Arbeitsplätze von morgen?

Wenn Arbeit sich mehr und mehr von räumlicher Fixierung entfernt, wenn Arbeit transitorischen Charakter enthält dann wird das Hotel nicht nur zur temporären Heimat, sondern zum temporären Arbeitsplatz, zu einer Schnittstelle für Kommunikation. Und so muss es mir mehr bieten als ein Bett und ein Fernsehprogramm. Das sind Fragen, die wir hier im KAP Forum mit Architekten und Immobilienentwicklern diskutieren und an deren Lösungen unsere Partner handfest arbeiten. Die Entwicklung von Zukunftslösungen ist ja nichts Imaginäres, sondern die praktische Auseinandersetzung mit den gesellschaftlichen und kulturellen Themen und Fragestellungen unserer Zeit!