Die Lösung im Kasten

Leselust statt trüber Augen: die ZBOX inszeniert das Licht.

ZBOX

von Hanno Parmentier

Hotelzimmer sind zum Wohnen und Relaxen da, nicht um Ratespiele zu testen. Es wurde deshalb Zeit, radikal neu über das Thema Beleuchtungsmanagement nachzudenken. Die Ingenieure von Zumtobel haben diese Aufgabe mit Bravour gemeistert. Das Ei des Kolumbus heißt ZBOX.

Ich habe schon einmal in einem Hotel genächtigt, in dem ich die Suche nach dem Schalter für die allerletzte Leuchte ganz am Ende, irgendwann mitten in der Nacht, aufgegeben habe. Die Leuchte war hinter oder unter jener Stellage angebracht, auf die man bei der Anreise den vollen Koffer abstellt, um von dort aus das Inventar in den Schränken zu verstauen. Der Schalter war nicht aufzufinden und so habe ich damals bei eingeschaltetem Licht geschlafen. Das ist, wie sich leicht denken lässt, sehr unerfreulich und hat dazu geführt, dass ich dieses Haus nie wieder betreten habe.

Es gibt – selbst in den besten Hotels – Dinge, die viel reisende Berufsmenschen zur Raserei treiben könnten, würde denn das Rasen etwas ändern. Zu den Klassikern des Anstoßes gehörte einst die Klimaanlage mit undurchschaubarem Regelmechanismus – dieses Problem kann mittlerweile technisch als beherrscht gelten. Technisch ein Kinderspiel, aber wegen gedankenloser Auswahl der Hardware häufig ein Anlass zu frühmorgendlichen Tobsuchtsanfällen sind gerne Duschen – dieses Problem wird wohl noch die nächste Jahrtausendwende erleben.

Bei keiner technischen Installation in Hotelzimmern aber wurde je so viel Infamie dem Gast gegenüber betrieben wie beim Beleuchtungsmanagement. Ich fand Stehlampen, deren Fuß-schalter unter dem zweisitzigen Sofa nicht einmal mit der größten körperlichen Verrenkung hervorgeholt werden konnte, weil das Kabel zu kurz war. Ich habe versucht, Schreibtisch lampen zu benutzen, für die es weit und breit keine Steckdose gab. Ich kapitulierte vor Kippschalter-Tableaus, deren Unüber-sichtlichkeit einen Gast schwindelig werden lässt, bevor ihm dämmert, dass er dieses verzwickten Systems während der kurzen Verweilzeit in diesem Zimmer nicht Herr werden wird. Die Gnade der Einfachheit ist an den Beleuchtungstechnikern wohl unbemerkt vorbeigegangen. Das Letzte ist – ich muss mich korrigieren – nicht mehr ganz richtig. In Dornbirn (Österreich) hat diese Gnade Halt gemacht und den Ingenieuren von Zumtobel das Prinzip der ZBOX eingeflüstert. Das Thema „Beherrschbarkeit des Licht-Managements in Hotels“ (und nicht nur dort) darf als gelöst betrachtet werden.

Die ZBOX ist ein unscheinbares schwarzes Kästchen mit einer internen Regelungstechnik, um die sich der Gast nicht weiter kümmern muss. An dieses Steuergerät können bis zu vier Bedienstellen – „Circle Control Points“ genannt – angeschlossen werden, die bereits auf die jeweilige Positionierung im Raum und das Lichtbedürfnis abgestimmt sind. Statt der üblichen Kippschalter-Armada findet der Gast in seinem Hotelzimmer diese (maximal) vier Bedienstellen genau dort, wo er sie braucht: im Eingangsbereich, beim Schreibtisch, am Bett und im Bad. Und je nach Einsatzort tragen die Bedienstellen unterschiedliche, leicht verständliche Piktogramme – im Bad bei-spielsweise für „Waschen“, „Schminken“ oder „volles Licht“, am Schreibtisch für „Schreiben“, „TV-Betrieb“ und wiederum „volles Licht“. Eine Mini-Kippleiste dient an allen vier Bedienstellen jeweils dem Dimmen des Lichtes, eine zweite Kippleiste hat wiederum je nach Standort eine unterschiedliche Funktion: Am Schreibtisch dient sie ebenso wie am Bett der Steuerung des Zimmervorhangs, im Bad lässt sich darüber die Lichtfarbe steuern. Sind alle Lichter aus, markiert ein dezent leuchtender roter Ring den Hauptschalter. So bleiben alle Bedienstellen als Orientierungshilfe auch im Dunkeln erkennbar.

Die schlechte Nachricht: Es gibt eine Menge Dinge, die eine ZBOX nicht kann. Sie kann weder das Zimmerklima regulieren noch meine Lieblings-Opern aus dem Off zaubern. Sie nimmt mir die Menü-Auswahl nicht ab und löst auch keine Kreuzworträtsel. Die gute Nachricht: Dass die ZBOX sich auf die Steuerung von Lichtregie, Helligkeit und Lichtstimmung beschränkt, hat zwei Vorteile. Erstens setzt die Bedienung der Bedienfelder kein Ingenieurstudium voraus – eine Wiederholung des archaischen Licht-Managements (siehe oben) auf höherer Stufe ist also ausgeschlossen. Tatsächlich kommen – wie Claudia Sartori, beim „Hotel Jungbrunn“ in Tannheim/Tirol für das Marketing zuständig, weiß – „die Gäste mit dem System sehr gut zurecht.“ Lediglich ältere Hotelbesucher haben anfangs Berührungsängste, die aber nach einer kurzen Erklärung vollständig beseitigt sind.

Zweitens: Die Installation des Systems ist denkbar einfach. Die Steuerungstechnik anderer Hersteller muss an ein Bussystem angeschlossen werden. Damit können zwar sehr viel mehr Medien gesteuert werden, dafür bedarf es allerdings auch eine sehr aufwändigen Montage: Jeder Aktor in jedem einzelnen Zimmer muss separat programmiert werden. Die ZBOX setzt auf ein anderes System. Hier wird die Installation durch das Plug & Play drastisch vereinfacht. Der schwarze Kasten enthält die Steuerung, daran werden nur noch die Leitungen angeschlossen.

Wie einfach das klingt. Kühnste Träume werden vor meinen inneren Augen lebendig: Ich komme an und kenne mich aus. Das Wohlfühlen kann beginnen. Kein Schalter weit und breit, der mich aus der Fassung bringen könnte. Wunderbare Hotel-Zukunft!